gesetzliche Krankenkasse

Selbstständige müssen, wie alle, Mitglied in der gesetzlichen (GKV) oder in einer privaten Krankenversicherung (PKV) sein. Als Selbstständige(r) haben Sie die Möglichkeit, im Unterschied zu Angestellten, sich freiwillig in einer gesetzlichen Krankenkasse zu versichern.

Ab wann ist man selbstständig?

(Basis ist die monatliche Bezugsgröße von 2.975 Euro in 2017)

Hauptberuflich ist eine selbstständige Erwerbstätigkeit dann, wenn sie von

  • der wirtschaftlichen Bedeutung und

  • dem zeitlichen Aufwand

her die übrigen Erwerbstätigkeiten zusammen deutlich übersteigt und den Mittelpunkt der Erwerbstätigkeit darstellt. Das bedeutet aber auch, dass nicht jede selbstständige Tätigkeit automatisch hauptberuflich ausgeübt wird. Die Prüfung erfolgt durch den Arbeitgeber bei der Beschäftigungsaufnahme eines Arbeitnehmers oder bei einer Änderung der Verhältnisse.

Praxistaugliche Abgrenzung

Durch den Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen.

1.) Selbstständige Tätigkeit neben anderer Erwerbstätigkeit

  • Bei Arbeitnehmern, die aufgrund tariflicher, betriebsbedingter oder arbeitsvertraglicher Regelungen vollschichtig arbeiten oder deren Arbeitszeit der regelmäßigen Wochenarbeitszeit vergleichbarer Vollbeschäftigter des Betriebs entspricht, ist anzunehmen, dass – unabhängig von der Höhe des Arbeitsentgelts – daneben für eine hauptberuflich selbstständige Erwerbstätigkeit kein Raum mehr bleibt.

  • Diese Annahme gilt auch für Arbeitnehmer, die mehr als 20 Stunden wöchentlich arbeiten und deren monatliches Arbeitsentgelt mehr als die Hälfte der monatlichen Bezugsgröße beträgt.

  • Im umgekehrten Fall, also wenn die Beschäftigung an nicht mehr als 20 Stunden wöchentlich ausgeübt wird und das Arbeitsentgelt nicht mehr als die Hälfte der monatlichen Bezugsgröße beträgt, ist anzunehmen, dass die selbstständige Erwerbstätigkeit hauptberuflich ausgeübt wird.

2.) Selbstständige Tätigkeit ohne andere Erwerbstätigkeit

  • Nimmt der zeitliche Aufwand für die selbstständige Tätigkeit des Selbstständigen mehr als 30 Stunden wöchentlich in Anspruch, ist anzunehmen, dass die selbstständige Tätigkeit hauptberuflich ausgeübt wird. Dies gilt dann, wenn das Arbeitseinkommen aus der selbstständigen Tätigkeit die Hauptquelle zur Bestreitung des Lebensunterhalts darstellt. Hiervon ist in der Regel auszugehen, wenn das Arbeitseinkommen 25 Prozent der monatlichen Bezugsgröße übersteigt.
  • Nimmt der zeitliche Aufwand für die selbstständige Tätigkeit den Selbstständigen mehr als 20 Stunden, aber nicht mehr als 30 Stunden wöchentlich in Anspruch, ist anzunehmen, dass die selbstständige Tätigkeit hauptberuflich ausgeübt wird. Dies gilt dann, wenn das Arbeitseinkommen aus der selbstständigen Tätigkeit die Hauptquelle zur Bestreitung des Lebensunterhalts darstellt. Hiervon ist in der Regel auszugehen, wenn das Arbeitseinkommen 50 Prozent der monatlichen Bezugsgröße übersteigt.
  • Nimmt der zeitliche Aufwand für die selbstständige Tätigkeit des Selbstständigen nicht mehr als 20 Stunden wöchentlich in Anspruch, ist anzunehmen, dass die selbstständige Tätigkeit nicht hauptberuflich ausgeübt wird. Dies gilt nicht, wenn das Arbeitseinkommen 75 Prozent der monatlichen Bezugsgröße übersteigt und (insofern) anzunehmen ist, dass es die Hauptquelle zur Bestreitung des Lebensunterhalts darstellt.

Gesamtverhältnisse entscheidend

Lässt sich die hauptberuflich, selbstständige Erwerbstätigkeit nicht eindeutig bestimmen oder liegen Anhaltspunkte für andere Gegebenheiten vor, sind in einer Gesamtschau alle Umstände des Einzelfalls zu prüfen und miteinander zu vergleichen. Letztendlich ist festzustellen, ob die selbstständige Tätigkeit deutlich überwiegt. Für die Prüfung der wirtschaftlichen Bedeutung der selbstständigen Tätigkeit ist der steuerpflichtige Gewinn aus der selbstständigen Tätigkeit nach den Ge­winn­er­mitt­lungs­vor­schrif­ten des Einkommensteuerrechts mit dem Arbeitsentgelt aus der Beschäftigung zu vergleichen.

Wie berechnet sich mein Krankenkassenbeitrag als Selbstständiger?

Die Höhe des Krankenkassenbeitrages richtet sich nach Ihrer individuellen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und maximal bis zu einer festen Einkommensgrenze, der Beitragsbemessungsgrenze (BBG). Für den Teil des Lohns, der über diesem Grenzwert liegt, werden keine weiteren Sozialabgaben fällig. Bei welchem Betrag diese Grenze liegt, richtet sich nach der Lohnentwicklung im Vorjahr und wird jedes Jahr durch die Bundesregierung nach einer fixen Formel bestimmt. Faustregel ist dabei: Wenn das durchschnittliche Einkommen steigt, steigt auch die Beitragsbemessungsgrenze.

In 2017 liegt diese bei 4.350,00 Euro monatlich, das entspricht 52.200 Euro pro Jahr.

Wenn Sie geringere Einnahmen haben, kann der Beitrag gemäß Ihrem Einkommen laut Einkommenssteuerbescheid angepasst werden. Der Mindestbetrag der Beitragsbemessungsgrundlage liegt für 2017 bei 2.231,25 Euro.

Wie weise ich meine Einnahmen nach?

Zur Berechnung ist Ihr Einkommensteuerbescheid Voraussetzung. Ihre Beiträge werden entsprechend dynamisch an Ihre Einnahmen angepasst. Für Existenzgründer genügt zunächst eine Schätzung der Einnahmen.

Beitragspflichtige Einnahmen

Beitragspflichtig sind alle Einnahmen, die zum Lebensunterhalt verbraucht werden oder verbraucht werden können. Beispielsweise sind das:

  • steuerpflichtige Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit,
  • Sozialhilfe,
  • Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung,
  • Unterhaltszahlungen vom getrennt lebenden oder geschiedenen Partner,
  • Einkünfte aus Kapitalvermögen, wie beispielsweise Zinsen oder Dividenden,
  • Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit (ohne die Pauschale zur sozialen Sicherung in Höhe von 300 Euro).

Mindestbeitrag

Basis ist die Mindestbemessungsgrundlage  (2.231,25 Euro in 2017)

Bei Selbstständigen muss die Krankenkasse prüfen, ob die gesetzliche Mindestbemessungsgrundlage anzuwenden ist. Das bedeutet: Wenn sich Ihre Einnahmen monatlich auf nicht mehr als die Mindestbemessungsgrundlage belaufen, liegt der Grundbeitrag bei monatlich 325,76 Euro + krankenkassenabhängigen Zusatzbeitrag (mit Krankengeldbezug ab 43. Tag) bzw. 312,37 Euro +  krankenkassenabhängigen Zusatzbeitrag (ohne Krankengeldbezug).

Mindestbeitrag Beispiel

 BeitragssatzBemessunggrundlageKrankenkassenbeitrag
Selbstständiger ohne Krankengeldanspruch14,0 % + Zusatzbeitrag2.231,25 Euro312,37 Euro
Beispielrechnung mit Zusatzbeitrag von 1,1 %15,1 %2.231,25 Euro336,92 Euro
Selbstständiger mit Krankengeldanspruch14,6 % + Zusatzbeitrag2.231,25 Euro325,76 Euro
Beispielrechnung mit Zusatzbeitrag von 1,1 %15,7 %2.231,25 Euro350,31 Euro

Höchstbeitrag

Basis ist die Beitragsbemessungsgrenze (4.350,00 Euro in 2017)

Ihre Einnahmen werden nur bis zur monatlichen Beitragsbemessungsgrenze berücksichtigt. Erzielen Sie höhere Einnahmen, müssen Sie deshalb keine höheren Beiträge zahlen, sondern höchstens 635,10 Euro + krankenkassenabhängigen Zusatzbeitrag (mit Krankengeldbezug ab 43. Tag) bzw. 609,00 Euro +  krankenkassenabhängigen Zusatzbeitrag (ohne Krankengeldbezug).

Höchstbeitrag Beispiel

 BeitragssatzBemessunggrundlageKrankenkassenbeitrag
Selbstständiger ohne Krankengeldanspruch14,0 % + Zusatzbeitrag4.350,00 Euro609,00 Euro
Beispielrechnung mit Zusatzbeitrag von 1,1 %15,1 % 4.350,00 Euro656,85 Euro
Selbstständiger mit Krankengeldanspruch14,6 % + Zusatzbeitrag4.350,00 Euro635,10 Euro
Beispielrechnung mit Zusatzbeitrag von 1,1 %15,7 %4.350,00 Euro682,95 Euro

Teilzeitselbstständige
Damit Teilzeitselbstständige weiterhin beitragsfrei familienversichert bleiben können, darf ihr monatliches Gesamteinkommen 415 Euro (2016) nicht übersteigen.

Härtefallregelung

Eine Härtefallregelung findet dann Anwendung, wenn monatlich niedrigere Einkünfte als  75 Prozent der Bezugsgröße nachgewiesen werden. Als Beleg dafür gelten der Einkommenssteuerbescheid und andere amtliche Unterlagen der Finanzverwaltung.

Sollten geringere Einkünfte vorliegen, können Sie beantragen, dass Ihre Mindestbemessungsgrenze auf bis zu 1.487,50 Euro (2017) reduziert wird. Zur Berechnung der Beiträge wird dann der ermäßigte Beitragssatz von 14,0 Prozent bzw. der allg. Beitrag von 14,6 Prozent, zuzüglich dem individuellen Zusatzbeitrag der jeweiligen Kasse, herangezogen.

Die Mindestbemessungsgrundlage für Selbstständige im Rahmen der Härtefallregelung ist gesetzlich vorgeschrieben und gilt auch dann, wenn das monatliche Einkommen aus der selbstständigen Tätigkeit unter dieser Grenze liegt. Daraus ergibt sich ein Mindestbeitrag von 217,17 Euro (mit Krankengeldbezug ab 43. Tag) bzw. 208,25 Euro (ohne Krankengeldbezug).

Dazu müssen jedoch folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • das monatliche Einkommen liegt unter den 2.231,25 Euro,
  • auch die Hälfte der beitragspflichtigen Einkünfte in einer Bedarfsgemeinschaft übersteigen nicht 2.231,25 Euro. (Das Einkommen des Ehegatten, Lebenspartners oder anderer Person in einer eheähnlichen Gemeinschaft = Bedarfsgemeinschaft, ist auch zu berücksichtigen, wenn diese Person in einer gesetzlichen Krankenversicherung ist)
  • 567 Euro können für jedes Kind abgesetzt werden, welches mit Ihnen innerhalb der Bedarfsgemeinschaft lebt und Anspruch auf Familienversicherung hat.

Antragsformular
Sofern Sie die genannten Voraussetzungen erfüllen, können Sie das Antragsformular und die erforderliche Einkommensanfrage von ihrer Krankenkasse anfordern. Danach senden Sie die gesamten Unterlagen mit den erforderlichen Nachweisen an Ihre Krankenkasse, die dann eine Beitragsreduzierung prüft.

Eine Beitragsreduzierung ist nicht möglich (unabhängig ob von Ihnen oder dem Partner innerhalb der Bedarfsgemeinschaft) wenn:

  • Steuerpflichtige Einnahmen aus Kapitalvermögen vorliegen,
  • positive oder negative Einkünfte aus Vermietung oder Verpachtung vorliegen,
  • Ihr oder das Vermögen ihres Partners mehr als das vierfache der monatlichen Bezugsgröße beträgt, also mehr als 11.620 Euro (Wert für 2016) oder,
  • ein Gründungszuschuss bezogen wird.

Eine Beitagsreduzierung ist nicht rückwirkend, sondern nur proaktiv möglich.

Wann sind die Beiträge fällig?

Selbstständige sind für die Abführung ihrer Beiträge an die Krankenkasse selbst verantwortlich. Fällig sind die Beiträge in der Regel am 15. des Folgemonats. Zu empfehlen ist eine Einzugsermächtigung . Somit werden die Beiträge monatlich zum Fälligkeitstermin von Ihrem Konto abbucht.